29.03.2012/Kire

Gedanken zur AKW "Sicherheit"

Das Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI versichert uns, dass die schweizerischen AKWs einem Hochwasser, wie es alle 10'000 Jahre einmal vorkommt, standhalten würde. Da dies nur eines von vielen Risiken - wie Erdbeben, menschliches oder Material-Versagen, Flugzeugabsturz, Anschlag etc. - ist, würde ich überschlagsmässig von einem Super-GAU alle 10'000 Jahre ausgehen.

Da nicht nur eines, sondern 440 Anlagen auf der Erde aktiv sind, würde dies eine Kernschmelze mit unkontrollierter Freisetzung radioaktiven Materials alle 23 Jahre bedeuten!

Gemäss einer Untersuchung von Heini Glauser wurden bei der Berechnung Hochwasser-Daten der letzten 75 Jahre zu Grunde gelegt. Nach diesen ist jedoch bereits 1999 und 2007 an der unteren Aare Hochwasser aufgetreten, die theoretisch nur alle zwei-, dreihundert Jahre hätten vorkommen sollen. Zudem wurde nur mit sauberem Wasser gerechnet - ohne Geschwemme und Geschiebe.

So betrachtet sind wir (speziell auch in der Schweiz) mit Lucens 1969, Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei AKWs von "Sicherheit" zu sprechen, dünkt mich jedoch zynisch. Russisches Roulette trifft es wohl eher.

Nun aber mit dem Finger auf das ENSI zu zeigen, greift m.E. zu kurz. Sicherheit ist relativ. Es gilt in einer breiten Diskussion und einer politischen Entscheidung festzulegen, welches Risiko wir zu tragen bereit sind. Erst dann kommen Techniker ins Spiel. (Natürlich ist es nicht ganz so einfach. Aber ohne Rahmenbedingungen kann das ENSI nicht darüber befinden, ob die Dinger sicher sind - oder abzuschalten sind. Oder aber auch andersrum: Dadurch, dass sie unbestritten ein Risiko in sich bergen und damit per Definition als unsicher zu gelten haben, gehören sie vom Netz.)